Seit mehr als 100 Jahren sind der Forschung Grabhügelgruppen im Ilmmündungsdelta bekannt. Nur wenige sind heute noch
obertägig zu erkennen. Erst durch Luftaufnahmen war die tatsächliche Ausdehnung dieses bedeutenden Gräberfeldes festzustellen.
Wohl anderthalb Kilometer in Ostwest-Richtung und mehr als 500 Meter in nordsüdlicher Ausdehnung nehmen die Grabanlagen ein.
Bedingt durch den Bau eines Gewerbegebietes wurden in denletzten Jahren 3 ha Fläche archäologisch untersucht. Die größte
Zahl der bisher geborgenen Gräber stammt aus der jüngeren Urnenfelderzeit (um 1000 v. Chr.).
Diese vorgeschichtliche Periode hat ihren Namen durch den damals vorherrschenden Bestattungsbrauch. Die Toten wurden verbrannt, und die Leichenasche mit Trachtbestandteilen und Speisebeigaben in einer großen handgeformten Urne aus Ton beigesetzt.
Auf dem Luftbild von 1995 sehen Sie am oberen Rand die Anfänge der Ilmendorfer Gewerbegebietes. Se sind bereits die
Straßen angelegt.

Bis Heute haben sich folgende Firmen hier angesiedelt:

Aldi Süd
Kaufland Logistik
Z & P Baumaschinen
Spedition Tettke
HansaFlex
Böck Gerüstbau
Diskothek VIVA
Autolakiererei Schwärzer
Tera Nostra
Zimmerei Adolf Fuchs

Luftaufnahme von Ilmendorf 1995

Ilmendorf im Jahr 1995 hinten das Gewerbegebiet Ilmendorf bei der Erschließung

Gewerbegebiet Ilmendorf

Archäölogie in Ilmendorf

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist in Ilmendorf ein Grabhügelfeld bekannt, dessen wirkliche Ausdehnung erst Ende der 70-er Jahre durch die Aufnahmen des Luftbildarchäologen Otto Braasch deutlich wurde. Die Ausweisung eines Gewerbegebietes machte in den 90-er Jahren archäologische Untersuchungen notwendig, wobei etwa 100 Grabstätten dokumentiert und ausgegraben wurden. Ein Teil der Grabinventare wurde restauriert und befindet sich im Heimatmuseum Geisenfeld.
Der überwiegende Teil der Bestattungen stammt aus der Urnenfelderzeit (1250 – 750 v. Chr.), deren Name vom damals vorherrschenden Bestattungsbrauch herrührt. Die Toten verbrannte man auf großen Scheiterhaufen, verbrannte Knochenreste (Leichenbrand) wurden aus der Asche gesammelt, in große handgemachte Urnen gefüllt und gelegentlich mit Bronzebeigaben wie Schmuck oder Waffen sowie mehreren Keramikgefäßen bedeckt. Anschließend wurde die Urne in einer Grube beigesetzt, die zuletzt mit Erdreich zugefüllt wurde.
In der Urne aus Ilmendorf, die den beachtlichen Durchmesser von 70 Zentimetern aufweist, befanden sich neben dem Leichenbrand, einem verzierten Bronzemesser, einer Gewandnadel aus Bronze und einer tönernen Flasche fünf dünnwandige Schalen und Schüsseln aus Ton, die durch ihren glänzenden Graffitüberzug Gefäße aus Metall imitieren sollten. Um den überdurchschnittlich reichen Inhalt der Urne zu schützen, wurde diese mit einer großen verzierten Schale abgedeckt


Restaurierte Urne im Geisenfelder Heimatmuseum

Bernsteincollier aus Bronzezeit

Als teils "herausragende Zeugnisse der Vergangenheit" werten Fachleute die Funde, die bei Grabungsarbeiten im Gewerbegebiet Ilmendorf gesichert wurden. Besonders beeindruckend ist ein Bernsteincollier aus der Mittleren Bronzezeit, das sich in einem der Hügelgräber befand.
Seit dem vorletzten Jahrhundert ist an der nördlichen Gemeindegrenze von Ilmendorf ein großes Grabhügelfeld bekannt, auf dem sich etwa 60 bis 80 obertägig erhaltene Hügel erstreckten. Bereits im Zuge der Planungen für das Gewerbegebiet Ilmendorf in den 1980er und 1990er Jahren wurden vom Landesamt für Denkmalpflege archäologische Untersuchungen im betroffenen Teilgebiet gefordert.
Damals konnten im Rahmen mehrjähriger Untersuchungen Grablegen dokumentiert werden, die aus dem Zeitraum zwischen etwa
2700 vor Christus und Christi Geburt stammen.
Im Zuge der Planungen für die Erweiterung der Kaufland-Ansiedlung, die eine bis dahin archäologisch noch nicht untersuchte Fläche betrafen, wurden 2008/2009 erneut bauvorgreifende Rettungsgrabungen auf einer Fläche von rund 40 000 Quadratemetern notwendig. Diese wurden im Auftrag von Kaufland nach den Vorgaben des Landesamtes für Denkmalpflege im Auftrag der Firma A-D-V durchgeführt.
Im Verlauf der Arbeiten konnten dabei drei bronzezeitliche Gebäude, wohl aus dem Zeitraum zwischen zirka 1 800 bis 1 500 v. Chr. dokumentiert werden. Daneben fanden sich vier sogenannte Kreisgräben, von denen einer einen Durchmesser von ungefähr 55 Metern hatte. Das wenige Fundmaterial ließ hier eine Einordnung in die Bronzezeit zu. Die Funktion der Anlage lässt sich ohne wissenschaftliche Auswertung nicht bestimmen, wie Erich Claßen vom BLFD (Bayrische Landesamt für Denkmalpflege) erklärt. Auffällig sei allerdings, dass bei der erwähnten früheren Grabung eine ähnliche Anlage dokumentiert werden konnte.
Aufschlussreich war die Freilegung von elf obertägig erhaltener Grabhügel mit einer Höhe zwischen 0,4 bis 1,2 Metern und einem Durchmesser zwischen 12 und 25 Metern. Gut erhaltene Knochen gab es im gesamten Gelände zwar nicht, in drei Hügeln konnte allerdings eine primäre Bestattung nachgewiesen werden. Nach- oder Nebenbestattungen, ebenfalls aus der mittleren Bronzezeit
(1 600 bis 1 300 v. Chr.) fanden sich in Form von Leichenbrandstreuungen und Gefäßbeigaben in sieben Hügeln. Eine eindeutige Nachbestattung wird in die Latènezeit (zirka 450 bis 50 v. Chr.) datiert.
In einem Grab fanden sich die Reste eines Bernsteincolliers bestehend aus 213 kleinen Perlen und elf Schiebern, zu dem auch 43 Reste von bronzenen Spiralröllchen und eine Glasperle gehörten. Auf der Brust der hier Bestatteten - aufgrund des Schmucks wird von einer Frau ausgegangen - lagen neun bronzene Stachelscheiben und die Reste von mindestens drei Bronzenadeln. Die Arme wurden von zwei Bronzeblechreifen geschmückt. Im Bereich des Kopfes lagen zwei Ringe aus Golddraht, ein dritter Goldring wurde im Randbereich des Grabes aufgefunden. In einem kleinen Bereich unterhalb des Bronzeschmuckes ist wohl der textile Rest eines Kleidungsstücks erhalten, das legen die mikroskopischen Untersuchungen laut Claßen nahe. Weitere Analysen sollen eine genauere Bestimmung des Gewebes ermöglichen und bei der Suche nach der Funktion der gefundenen Baststreifen helfen.
Voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres werden die bei den Grabungen geborgenen Funde in den Werkstätten des bayerischen Landesamts für Denkmalpflege restauriert, so "dass eine wissenschaftliche Bearbeitung erfolgen und die teils herausragenden Zeugnisse der Vergangenheit der Öffentlichkeit präsentiert werden können", so der stellvertretende Referatsleiter beim BLFD.

Bild vom Bernsteincollier